| |
|
Abend auf Golgatha
Eben die dornige Krone geneiget, verschied der Erlöser, Weisslich in dämmernder Luft glänzte die Schulter des Herrn; Siehe, da schwebte, vom tauigen Schimmer gelockt, die Phaläne Flatternd hernieder, zu ruhn dort, wo gelastet das Kreuz. Langsam schlug sie ein Weilchen die samtenen Flügel zusammen, Breitet' sie aus und entschwand fern in die sinkende Nacht. Nicht ganz blieb verlassen ihr Schöpfer, den Pfeiler des Kreuzes Hielt umfangen das Weib, das er zur Mutter sich schuf.
|
|
Abendlied
Augen, meine lieben Fensterlein, Gebt mir schon so lange holden Schein, Lasset freundlich Bild um Bild herein: Einmal werdet ihr verdunkelt sein! Fallen einst die müden Lider zu, Löscht ihr aus, dann hat die Seele Ruh', Tastend streift sie ab die Wanderschuh', Legt sich auch in ihre finstre Truh'. Noch zwei Fünklein sieht sie glimmend stehn Wie zwei Sternlein, innerlich zu sehn, Bis sie schwanken und dann auch vergehn, Wie von eines Falters Flügelwehn. Doch noch wandl' ich auf dem Abendfeld, Nur dem sinkenden Gestirn gesellt; Trinkt, O Augen, was die Wimper hält, Von dem goldnen Überfluss der Welt!
|
|
Abendlied an die Natur
Hüll' ein mich in die grünen Decken, Mit deinem Säuseln sing mich ein, Bei guter Zeit magst du mich wecken Mit deines Tages jungem Schein! Ich hab mich müd in dir ergangen, Mein Aug' ist matt von deiner Pracht. Nun ist mein einziges Verlangen, Im Traum zu ruhn, in deiner Nacht. Des Kinderauges freudig Leuchten Schon fingest du mit Blumen ein, Und wollte junger Gram es feuchten, Du scheuchtest ihn mit buntem Schein. Ob wildes Hassen, masslos Lieben Mich zeither auch gefangen nahm: Doch immer bin ich Kind geblieben, Wenn ich zu dir ins Freie kam! Geliebte, die mit ew'ger Treue Und ew'ger Jugend mich erquickt, Du einz'ge Lust, die ohne Reue Und ohne Nachweh mich entzückt - Sollt' ich dir jemals untreu werden, Dich kalt vergessen, ohne Dank, Dann ist mein Fall genaht auf Erden, Mein Herz verdorben oder krank! O steh' mir immerdar im Rücken, Lieg' ich im Feld mit meiner Zeit! Mit deinen warmen Mutterblicken Ruh' auf mir auch im schärfsten Streit' Und sollte mich das Ende finden, Schnell decke mich mit Rasen zu; O selig Sterben und Verschwinden In deiner stillen Herbergsruh!
|
|
Abendregen
Langsam und schimmernd fiel ein Regen, In den die Abendsonne schien; Der Wandrer schritt auf schmalen Wegen Mit düstrer Seele drunter hin. Er sah die grossen Tropfen blinken Im Fallen durch den goldnen Strahl; Er fühlt es kühl aufs Haupt ihm sinken Und sprach mit schauernd süsser Qual: "Nun weiss ich, dass ein Regenbogen Sich hoch um meine Stirne zieht, Den auf dem Pfad, so ich gezogen, Die heitre Ferne spielend sieht. Und die mir hier am nächsten stehen, Und wer mich wohl zu kennen meint, Sie können selber doch nicht sehen, Wie er versöhnend ob mir scheint. So wird, wenn andre Tage kamen, Die sonnig auf dies Heute sehn, Um meinen fernen blassen Namen Des Friedens heller Bogen stehn."
|
|
Aktäon
Aktäon hat im dunklen Hain Das edle Wild gefällt, Da sah von einem milden Schein Die Waldflut er erhellt. Den Silbermond auf weißer Stirn, Sonst der Gewänder bar, Und um sie manche nackte Dirn, Die nicht zu tadeln war, So stand Diana weiß und zart – O dreimal selige Birsch! Sie spritzt' ihm Wasser in den Bart, O unglückseliger Hirsch! Wohl sprang er über Stein und Dorn, Zitternd und verzagt, An seinen Fersen Götterzorn, Die wilde Jungfernjagd! Schon floß sein rauchend Blut so rot Dianen vor den Fuß; Das ist ein schlimmer Jägertod, Wer so verenden muß! Das letzte wilde Mägdlein sprang Voll keuscher Wut herzu Und hielt dem schön gehörnten Fang Das brechende Auge zu. Auch heut noch mancher Junker birscht Durch das Kartoffelkraut, Der aber, wird er auch verhirscht, Die Göttin nie geschaut!
|
|