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An die Melancholie
Zum Wein, zu Freunden bin ich dir entflohn, Da mir vor deinem dunklen Auge graute, In Liebesarmen und beim Klang der Laute Vergaß ich dich, dein ungetreuer Sohn. Du aber gingest mir verschwiegen nach Und warst im Wein, den ich verzweifelt zechte, Warst in der Schwüle meiner Liebesnächte Und warest noch im Hohn, den ich dir sprach. Nun kühlst du die erschöpften Glieder mir Und hast mein Haupt in deinen Schoß genommen, Da ich von meinen Fahrten heimgekommen: Denn all mein Irren war ein Weg zu dir.
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Auf den Tod eines kleinen Kindes
Jetzt bist du schon gegangen, Kind, Und hast vom Leben nichts erfahren, Indes in unsern welken Jahren Wir Alten noch gefangen sind. Ein Atemzug, ein Augenspiel, Der Erde Luft und Licht zu schmecken, War dir genug und schon zuviel; Du schliefest ein, nicht mehr zu wecken. Vielleicht in diesem Hauch und Blick Sind alle Spiele, alle Mienen Des ganzen Lebens dir erschienen, Erschrocken zogst du dich zurück. Vielleicht wenn unsre Augen, Kind, Einmal erlöschen, wird uns scheinen, Sie hätten von der Erde, Kind, Nicht mehr gesehen als die deinen.
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Bei Nacht
Nachts, wenn das Meer mich wiegt Und bleicher Sternenglanz Auf seinen weiten Wellen liegt, Dann löse ich mich ganz Von allem Tun und aller Liebe los Und stehe still und atme bloß Allein, allein vom Meer gewiegt, Das still und kalt mit tausend Lichtern liegt. Dann muß ich meiner Freunde denken Und meinen Blick in ihre Blicke senken, Und frage jeden still allein: "Bist du noch mein? Ist dir mein Leid ein Leid, mein Tod ein Tod?" Fühlst du von meiner Liebe, meiner Not Nur einen Hauch, nur einen Widerhall?" Und ruhig blickt und schweigt das Meer Und lächelt: Nein. Und nirgendwo kommt Gruß und Antwort her.
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Belehrung
Mehr oder weniger, mein lieber Knabe, Sind schließlich alle Menschenworte Schwindel, Verhältnismäßig sind wir in der Windel Am ehrlichsten, und später dann im Grabe. Dann legen wir uns zu den Vätern nieder, Sind endlich weise und voll kühler Klarheit, Mit blanken Knochen klappern wir die Wahrheit, Und mancher lög und lebte lieber wieder.
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Besinnung
Besinnung Göttlich ist und ewig der Geist. Ihm entgegen, dessen wir Bild und Werkzeug sind, Führt unser Weg; unsre innerste Sehnsucht ist: Werden wie er, leuchten in seinem Licht! Aber irden und sterblich sind wir geschaffen, Träge lastet auf uns Kreaturen die Schwere. Hold zwar und mütterlich warm umhegt uns Natur, Säugt uns Erde, bettet uns Wiege und Grab; Doch befriedet Natur uns nicht, Ihren Mutterzauber durchstösst Des unsterblichen Geistes Funke Väterlich, macht zum Manne das Kind. Löscht die Unschuld und wendet uns zu Kampf und Gewissen. So zwischen Mutter und Vater, So zwischen Leib und Geist Zögert der Schöpfung gebrechlichstes Kind. Zitternde Seele Mensch, des Leidens fähig Wie kein anderes Wesen, und fähig des Höchsten: Gläubiger, hoffender Liebe. Schwer ist sein Weg, Sünde und Tod seine Speise, Oft verirrt er ins Finstre, oft wär ihm Besser, niemals erschaffen zu sein. Ewig aber strahlt über ihm seine Sehnsucht, Seine Bestimmung: das Licht, der Geist. Und wir fühlen: ihn, den Gefährdeten, Liebt der Ewige mit besonderer Liebe. Darum ist uns irrenden Brüdern Liebe möglich noch in der Entzweiung, Und nicht Richten und Hass, Sondern geduldige Liebe, Liebendes Dulden führt Uns dem heiligen Ziele näher.
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