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Abend
Gestürzt sind die goldnen Brücken Und unten und oben so still! Es will mir nichts mehr glücken, Ich weiß nicht mehr, was ich will. Von üppig blühenden Schmerzen Rauscht eine Wildnis im Grund, Da spielt wie in wahnsinnigen Scherzen Das Herz an dem schwindligen Schlund. – Die Felsen möchte ich packen Vor Zorn und Wehe und Lust, Und unter den brechenden Zacken Begraben die wilde Brust. Da kommt der Frühling gegangen, Wie ein Spielmann aus alter Zeit, Und singt von uraltem Verlangen So treu durch die Einsamkeit. Und über mir Lerchenlieder Und unter mir Blumen bunt, So werf ich im Grase mich nieder Und weine aus Herzensgrund. Da fühl ich ein tiefes Entzücken, Nun weiß ich wohl, was ich will, Es bauen sich andere Brücken, Das Herz wird auf einmal still. Der Abend streut rosige Flocken, Verhüllet die Erde nun ganz, Und durch des Schlummernden Locken Ziehn Sterne den heiligen Kranz.
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Abendlich schon rauscht der Wald
Abendlich schon rauscht der Wald Aus den tiefsten Gründen, Droben wird der Herr nun bald An die Sternlein zünden. Wie so stille in den Schlünden, Abendlich nur rauscht der Wald. Alles geht zu seiner Ruh. Wald und Welt versausen, Schauernd hört der Wandrer zu, Sehnt sich recht nach Hause. Hier in Waldes stiller Klause, Herz, geh endlich auch zur Ruh.
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Abendständchen
Schlafe Liebchen, weils auf Erden Nun so still und seltsam wird! Oben gehn die goldnen Herden, Für uns alle wacht der Hirt. In der Ferne ziehn Gewitter; Einsam auf dem Schifflein schwank, Greif ich draußen in die Zither, Weil mir gar so schwül und bang. Schlingend sich an Bäum und Zweigen, In dein stilles Kämmerlein Wie auf goldnen Leitern steigen Diese Töne aus und ein. Und ein wunderschöner Knabe Schifft hoch über Tal und Kluft, Rührt mit seinem goldnen Stabe Säuselnd in der lauen Luft. Und in wunderbaren Weisen Singt er ein uraltes Lied, Das in linden Zauberkreisen Hinter seinem Schifflein zieht. Ach, den süßen Klang verführet Weit der buhlerische Wind, Und durch Schloß und Wand ihn spüret Träumend jedes schöne Kind.
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Abschied (1)
Laß, Leben, nicht so wild die Locken wehen! Es will so rascher Ritt mir nicht mehr glücken, Hoch überm Land von diamantnen Brücken: Mir schwindelt, in den Glanz hinabzusehen. »Vom Rosse spielend meine Blicke gehen Nach Jüngern Augen, die mein Herz berücken, Horch, wie der Frühling aufjauchzt vor Entzücken, Kannst du nicht mit hinab, laß ich dich stehen.« Kaum noch herzinnig mein, wendst du dich wieder, Ist das der Lohn für deine treusten Söhne? Dein trunkner Blick, fast möcht er mich erschrecken. »Wer sagt' dir, daß ich treu, weil ich so schöne? Leb wohl, und streckst du müde einst die Glieder, Will ich mit Blumen dir den Rasen decken.«
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Abschied (2)
O Täler weit, o Höhen, O schöner, grüner Wald, Du meiner Lust und Wehen Andächtger Aufenthalt! Da draußen, stets betrogen, Saust die geschäftge Welt, Schlag noch einmal die Bogen Um mich, du grünes Zelt! Wenn es beginnt zu tagen, Die Erde dampft und blinkt, Die Vögel lustig schlagen, Daß dir dein Herz erklingt: Da mag vergehn, verwehen Das trübe Erdenleid, Da sollst du auferstehen In junger Herrlichkeit! Da steht im Wald geschrieben Ein stilles, ernstes Wort Von rechtem Tun und Lieben, Und was des Menschen Hort. Ich habe treu gelesen Die Worte, schlicht und wahr, Und durch mein ganzes Wesen Wards unaussprechlich klar. Bald werd ich dich verlassen, Fremd in der Fremde gehn, Auf buntbewegten Gassen Des Lebens Schauspiel sehn; Und mitten in dem Leben Wird deines Ernsts Gewalt Mich Einsamen erheben, So wird mein Herz nicht alt.
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