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Ach um deine feuchten Schwingen
Ach um deine feuchten Schwingen West wie sehr ich dich beneide, Denn du kannst ihm Kunde bringen, Was ich durch die Trennung leide. Die Bewegung deiner Flügel Weckt im Busen stilles Sehnen, Blumen, Augen, Wald und Hügel Stehn bei deinem Hauch in Thränen. Doch dein mildes sanftes Wehen Kühlt die wunden Augenlider; Ach, für Leid müßt ich vergehen, Hofft ich nicht, wir sehn uns wieder. Geh denn hin zu meinem Lieben, Spreche sanft zu seinem Herzen, Doch vermeid ihn zu betrüben Und verschweig ihm meine Schmerzen. Sag ihm nur, doch sags bescheiden, Seine Liebe sei mein Leben, Freudiges Gefühl von beiden Wird mir seine Nähe geben.
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Das Heidelberger Schloß
den 28. Juli abends 7 Uhr Euch grüß ich weite, lichtumfloßne Räume, Dich alten reichbekränzten Fürstenbau, Euch grüß ich hohe, dichtumlaubte Bäume, Und über euch des Himmels tiefes Blau. Wo hin den Blick das Auge forschend wendet In diesem blütenreichen Friedensraum, Wird mir ein leiser Liebesgruß gesendet Aus meines Lebens freudevollstem Traum. An der Terrasse hohem Berggeländer War eine Zeit sein Kommen und sein Gehn, Die Zeichen, treuer Neigung Unterpfänder, Sie sucht ich, und ich kann sie nicht erspähn. Dort jenes Baumsblatt, das aus fernem Osten Dem westöstlichen Garten anvertraut, Gibt mir geheimnisvollen Sinn zu kosten Woran sich fromm die Liebende erbaut. Durch jene Halle trat der hohe Norden Bedrohlich unserm friedlichen Geschick; Die rauhe Nähe kriegerischer Horden Betrog uns um den flüchtgen Augenblick. Dem kühlen Brunnen, wo die klare Quelle Um grünbekränzte Marmorstufen rauscht, Entquillt nicht leiser, rascher, Well auf Welle, Als Blick um Blick, und Wort um Wort sich tauscht. 0! schließt euch nun ihr müden Augenlider. Im Dämmerlichte jener schönen Zeit Umtönen mich des Freundes hohe Lieder, Zur Gegenwart wird die Vergangenheit. Aus Sonnenstrahlen webt ihr Abendlüfte Ein goldnes Netz um diesen Zauberort, Berauscht mich, nehmt mich hin ihr Blumendüfte, Gebannt durch eure Macht kann ich nicht fort. Schließt euch um mich ihr unsichtbaren Schranken Im Zauberkreis der magisch mich umgibt, Versenkt euch willig Sinne und Gedanken, Hier war ich glücklich, hebend und geliebt.
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Erste Silbe
Der Erde schenk' ich tiefen Frieden, Breit' ich den weiten Mantel aus. Ein luftig Haus steht mir im Süden, Im Norden steht mein festes Haus. Ergreifend ist mein stilles Schweigen, Entzückend ist mein stilles Licht, Ein falscher Schein soll mich verscheuchen, Vertreiben kann er doch mich nicht. Oft flieht der Schlaf in meiner Nähe, Oft bring' ich Müden Trost und Ruh', Oft schärf' ich peinlich Leid und Wehe, Oft drück' ich wunde Augen zu. Mein Reich hat viele Untertanen Vom Vogel bis zum Schmetterling, Die wandeln still auf meinen Bahnen, Die ich auf Lebenszeit umfing. Heut bin ich leise weggeschlichen, Ich wiegte dich in süßen Traum, Dir wohlzutun bin ich entwichen Und lasse andern Freunden Raum.
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Hatem
Nicht Gelegenheit macht Diebe, sie ist selbst der größte Dieb, Denn sie stahl den Rest der Liebe Die mir noch im Herzen blieb. Dir hat sie ihn übergeben Meines Lebens Vollgewinn, Dass ich nun, verarmt, mein Leben Nur von dir gewärtig bin. Doch ich fühle schon Erbarmen Im Karfunkel deines Blicks Und erfreu´ in deinen Armen Mich erneuerten Geschicks.
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Was bedeutet die Bewegung
Was bedeutet die Bewegung Bringt der Ostwind frohe Kunde? Seiner Schwingen frische Regung Kühlt des Herzens tiefe Wunde. Kosend spielt er mit dem Staube, Jagt ihn auf in leichten Wölkchen, Treibt zur sichern Rebenlaube Der Insekten frohes Völkchen. Lindert sanft der Sonne Glühen, Kühlt auch mir die heißen Wangen, Küßt die Reben noch im Fliehen Die auf Feld und Hügel prangen. Und mich soll sein leises Flüstern Von dem Freunde lieblich grüßen, Eh noch diese Hügel düstern Sitz ich still zu seinen Füßen. Und du magst nun weiter ziehen, Diene Frohen und Betrübten, Dort wo hohe Mauern glühen Finde ich den Vielgeliebten. Ach, die wahre Herzenskunde, Liebeshauch, erfrischtes Leben Wird mir nur aus seinem Munde, Kann mir nur sein Athem geben.
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