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Gedichte und Sprüche von Paul Scheerbart

 

Gedichte 1---5-von 21

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Aufschrei!

O du goldener Willensschaum,
Spritz hinauf in die kühlste Luft!
O du goldener Willensschaum,
Braus hinab in die kühlste Gruft!
Umtose mit Korybantengeschrei
Des Lebens langweilige Litanei!




Bläuliche Flammen

In dieser Nacht sah ich ein Kind,
Das lachte mich an.
Es hat das Lachen in dieser Nacht
Mir wohlgethan.
Über die Haide wogten
Große bläuliche Flammen.
Die haben den Himmel ganz hell gemacht,
Dazu hat das Kind noch viel mehr gelacht.
Wir lachten beide zusammen
Über die bläulichen Flammen.




Dahin!

Singe nicht so hell und laut,
Da ich wieder einsam bin!
Ach, fühlst Du nicht, worüber
Ich trüber werde?

Lache nicht so toll und dumm,
Da ich ernst und anders bin!
Nein, weißt Du nicht, worüber
Ich trüber werde?

Frage nicht so klug und hart!
Das hat Alles keinen Sinn!
Was? Ahnst Du nicht, worüber
Ich trüber werde?

Sieh' ich liebe Dich nicht mehr,
All meine Lieben ist dahin!
Begreifst Du jetzt, worüber
Ich trüber werde?




Das Flammenschwert

Ich stand in Gedanken
Auf dem großen Weltmeer.
Die Sohlen meiner Riesenfüße
Wurden fein gekitzelt
Von schäumenden Wogen.
Ich sah in die Tiefe.
Da zerspritzten wilde Wellenberge
An meinem großen Zeh.
Wie das ich sah, da dacht' ich so:
"Wellenberge, zerspritzt nur immer,
Wenn ihr nichts Bessres zu thun vermögt,
Auch an meinem großen Zeh!
Es tut ja nicht weh!"
Und siehe! da kommt der Erzengel
Lächelnd aus dem Himmel heraus
Herunter zu mir.
In der Rechten hält er
Ein ächtes wackelndes Flammenschwert.
Ich sehe den Engel
Mit lachenden Mienen,
Mit zusammengekniffenen Augen
Wie ein Verliebter an.
Aber nun spricht der gleich:
"Siehst du, hier hast Du ein Schwert!
Bekämpfe mit ihm, die dich bekämpfen!
Streite mit Muth wie ein Held!"
Ich bin starr -
Rufe sofort:
"Erzengel, bist du ein Ochs?"
Und ich wende mich stolz gleich ab,
Gehe glitschend auf den Wellen
Ganz nach hinten in eine Ecke -
Wo die schäumenden Meereswogen
An großen Felsen zerschellen.
Dort denke ich nach:
Ich will mich besinnen,
Ob Riesen jemals Kämpfer waren
... ...
Ich besinne mich nicht. -
"Wirkliche" Riesen kämpfen nicht!
Denn gegen wen sollten -
Riesen wohl kämpfen?
Und dann noch eins:
"Wer kann wohl kämpfen,
Wenn er nicht hassen kann?"
Ich stand in Gedanken
Auf dem großen Weltmeer,
Sann nach über die Bedeutung
Jenes ächten wackelnden Flammenschwertes ...
"Erzengel bist du ein Ochs? "




Der einbeinige Trinker

Geh nicht fort, hehrer Held!
Laß die Welt, laß die Welt!
Trinken könntest Du auch hier;
O, trinke mit mir!

Geh nicht fort, hehrer Held!
Hast Du Zeit, Hab und Gut,
Dann verbringst Du das auch hier;
Verbrings doch mit mir!

Morgen lacht, wer die Nacht
Nicht zum Schlaf, nicht zum Schlaf
Wie ein Murmeltier mißbraucht;
Die Reue verraucht!

Aber rennst Du mir weg,
Wird mein Bein, dieses Bein,
In die Schänke gehn allein;
Ich liebe den Wein!






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